Globale IG-Anleihen: Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung von Verhaltensänderungen!
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Globale IG-Anleihen: Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung von Verhaltensänderungen!

  • Die Investment-Grade-Märkte (IG) haben direkt von den Corona-Konjunkturprogrammen profitiert, mit deren Hilfe die Offenhaltung der Kreditkanäle gewährleistet werden sollte – konkret etwa Kurzarbeits- und Direktkreditprogramme, Kreditstundungen und ausgeweitete Käufe von Unternehmensanleihen.
  • Zwar können sich gewisse Ausfall- oder Herabstufungsrisiken ergeben, wenn diese Maßnahmen auslaufen. Mit Blick auf die Zusammensetzung des IG-Marktes sollte dies jedoch keine allzu großen Kopfschmerzen bereiten. Tatsächlich sind die Aussichten für einige Sektoren genauso gut wie vor der Pandemie, wenn nicht sogar besser.
  • Aber selbst in Sektoren, die negativ betroffen sind, können viele als erstklassig eingestufte Unternehmen bedeutende Hebel ziehen, um auf die Auswirkungen der Krise zu reagieren – Hebel etwa in Form von Kostensenkungen, einer stufenweisen Durchführung von Investitionen, Working Capital Management sowie unorganischen Aktivitäten (Anlagenverkäufe, Dividendenkürzungen, Eigenkapitalbeschaffung etc.).

  • Die Kombination aus politischen Faktoren und der Tatsache, dass diese Anlageklasse Schulden abbauen kann (und die Unternehmen werden auch versuchen, ihren Verschuldungsgrad zu verringern), stimmt uns für die Zukunft recht zuversichtlich – zuversichtlicher, als wir es zu Beginn des Jahres waren.

Wir begannen das Jahr 2020 mit einer der bisher längsten Expansionsphasen, in der eine zunehmend lockere Geldpolitik für eine Verlängerung des natürlichen Wachstumszyklus gesorgt hatte. Wegen dieses Wachstums und der niedrigen Zinsen hatten viele Unternehmen erheblich investiert, sodass sie zu Beginn der Corona-Pandemie relativ hoch verschuldet waren.

Dann kam es zu Corona-bedingten Schließungen, und Regierungen und Politiker mussten handeln, um neben einem Wirtschaftsschock nicht auch noch eine Finanzkrise zu riskieren. Es wurden daher Konjunkturprogramme aufgelegt, um eine Offenhaltung der Kreditkanäle zu gewährleisten. Neben fiskalischen Unterstützungspaketen wie Kurzarbeitsprogrammen erfolgte eine Unterstützung durch Direktkreditprogramme, Kreditstundungen sowie ausgeweitete Käufe von Unternehmensanleihen.

Die Investment-Grade-Märkte profitierten unmittelbar davon. Im März erklärte die US-Notenbank Fed, sie werde erstmals direkt Unternehmensanleihen kaufen,1 nachdem zuvor die Bank of England und die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Firmenanleihenkäufe ausgeweitet hatten.
Zwar können sich gewisse Ausfall- oder Herabstufungsrisiken ergeben, wenn die Hilfen auslaufen. Mit Blick auf die Zusammensetzung des Marktes sollte dies jedoch keine allzu großen Kopfschmerzen bereiten. Immerhin repräsentieren Banken den größten Einzelsektor im IG-Universum, und dieser wird von einer Wirtschaftspolitik des Verlustmanagements unterstützt. Wir würden deshalb erwarten, dass sich die Bonitäten seitwärts entwickeln und schwächere Akteure mit stärkeren verschmelzen. Der Anteil am globalen IG-Markt beträgt hier fast 25 %.2 Daneben gibt es auch Sektoren, deren Perspektiven genauso gut oder besser als vorher sind. Wir denken hier an Technologie sowie Nahrungsmittel und Getränke, die 10 % des Marktes stellen. So gut wie nicht betroffene Sektoren wie Versorgungsunternehmen, Telekommunikation und das Gesundheitswesen machen weitere 20 % aus. Selbst der Immobiliensektor, der 4 % des IG-Marktes stellt, aber aufgrund seiner vielen Teilsegmente keineswegs homogen ist, konnte in einigen Bereichen eine gute Performance verzeichnen. So haben Lager- und Logistikimmobilien von der wachsenden Nachfrage nach Hauszustellungen und dem Amazon-Effekt profitiert. In den Einzelhandels- und Bürosegmenten gestaltet sich die Situation indes schwieriger, aber diese machen nur etwa 1 % des Marktes aus.

Selbst in Sektoren, in denen die Pandemie die Geschäftsentwicklung und Gewinnleistung beeinträchtigt hat, können viele als erstklassig eingestufte Unternehmen bedeutende Hebel ziehen, um darauf zu reagieren. Eine Kombination aus Kostensenkungen, stufenweiser Durchführung von Investitionen, Working Capital Management sowie unorganischen Aktivitäten wie Anlagenverkäufe, Dividendenkürzungen oder Eigenkapitalbeschaffung kann und wird von den Unternehmen genutzt werden, damit sie ihre Bilanzbonität erhalten.

Wir sollten nicht die Tatsache unterschätzen, dass sich unser Verhalten durch die Pandemie möglicherweise signifikant verändert hat. Wird es nach der Corona-Krise ein Zurück in die Fünf-Tage-Bürowoche geben, oder wird sich das Arbeiten von zu Hause aus fest etablieren?

Bei alledem sollten wir jedoch auch nicht die Tatsache unterschätzen, dass sich unser Verhalten durch die Pandemie möglicherweise signifikant verändert hat. Wird es nach der Corona-Krise ein Zurück in die Fünf-Tage-Bürowoche geben, oder wird sich das Arbeiten von zu Hause aus fest etablieren? Einige Sektoren wie Technologie oder Nahrungsmittel und Getränke können von solchen Veränderungen profitieren, bei anderen wiederum könnte es deren Zukunft infrage stellen.

Was abschließend noch einmal die Geldpolitik betrifft, so sind deren Instrumente in der Regel schneller beschlossen, als sie wieder zurückgenommen werden. So dauert zum Beispiel die quantitative Lockerung der EZB nun schon länger an, als es im Hinblick auf Marktverwerfungen oder die Fremdkapitalkosten großer europäischer Unternehmen unbedingt notwendig gewesen wäre. Und in den USA erklärte die Fed erst kürzlich, sie werde künftig ein flexibles durchschnittliches Inflationsziel verfolgen;3 die Fed dürfte dann nur noch Zinserhöhungen vornehmen, wenn die Inflation dauerhaft über dem Zielwert von 2% liegt. Wir glauben daher, dass die Geldpolitik noch länger unterstützend bleibt.

Abbildung 1: Langfristiger Spread globaler Investment-GradeUnternehmensanleihen

Quelle: Bloomberg, Stand: 31. Oktober 2020.

Globale IG-Anleihen weisen derzeit einen Spread von 130 Basispunkten zu Staatsanleihen auf, was dem langfristigen Durchschnitt entspricht (vgl. Abbildung 1). Die Renditen von Staatsanleihen und die Geldmarktzinsen notieren indessen auf Allzeittiefständen, während sich die Aktien-KGVs auf einem 20-jährigen Höchststand befinden, nachdem die Abzinsungssätze zuletzt so niedrig waren. Vor diesem Hintergrund stellt ein Vermögenswert, der auf seinem langjährigen durchschnittlichen Bewertungsniveau notiert, keine schlechte Wertanlage dar.

Die Kombination aus politischen Faktoren und der Tatsache, dass diese Anlageklasse Schulden abbauen kann (und die Unternehmen werden auch versuchen, ihren Verschuldungsgrad zu verringern), stimmt uns für die Zukunft recht zuversichtlich – zuversichtlicher, als wir es zu Beginn des Jahres 2020 waren.

11 Dezember 2020
Alasdair Ross
Alasdair Ross
Head of Investment Grade Credit
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Globale IG-Anleihen: Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung von Verhaltensänderungen!

1 Bloomberg: „Fed Will Begin Buying Broad Portfolio of Corporate Bonds“, 15. Juni 2020.

2 Sämtliche Prozentangaben für den IG-Markt gemäß Columbia Threadneedle-Analyse vom November 2020.

3 FT.com: „Fed to tolerate higher inflation in policy shift“, 27. August 2020.

Wichtige informationen

Das hier zugrundeliegende Research und die Analysen sind von Columbia Threadneedle Investments für die eigenen Investmentaktivitäten erstellt worden. Aufgrund dieser sind möglicherweise bereits Entscheidungen noch vor dieser Publikation getroffen worden. Die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt geschieht zufällig. Aus externen Quellen bezogene Informationen werden zwar als glaubwürdig angesehen, für ihren Wahrheitsgehalt und ihre Vollständigkeit kann jedoch keine Garantie übernommen werden. Alle enthaltenen Meinungsäußerungen entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, können jedoch ohne Benachrichtigung geändert werden.

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